Dranbleiben: Gebt dem Terror ein Gesicht

Eigentlich bin ich warlich kein Freund der Zeitung mit den großen, roten Buchstaben. Und auch die dazugehörige Website muss man nicht haben. Gleichwohl ist das eine die meist gekaufte Zeitung, die Site, die meist angeklickte „Nachrichten-“-Site Deutschlands. Wie gesagt, ich bin wahrlich kein Freund dieser Produkte.

Derzeit aber sehe ich das anders. Nicht ein Tag, nicht ein Moment im Web vergeht, ohne das BILD, in welcherweise auch immer, etwas zu den Anschlägen zu berichten weiß. Auch wenn das Thema massiv ausgeschlachtet wird, der Fakt, dass es den Titel beherrscht, sorgt dafür, dass es in unserer Erinnerung bleibt. Mit jeder neuen Titelseite, mit jedem neuen Anklicken, brennt sich das Thema stärker in unser Bewusstsein. Wiederholung stärkt die Erinnerungsfähigkeit (kennen wir ja auch vom Auswändiglernen von Gedichten). Wir dürfen das Thema jetzt nicht zu den Akten legen, es muss auf der Agenda bleiben. Das aber geschieht nur, wenn wir es weiter erinnern und so auf die Druck ausüben, die sich jetzt bemühen, etwas gegen den Terror zu tun.

Und einen zweiten Aspekt will ich noch hinzufügen: BILD stellt uns die Opfer vor: Pierre J. aus Gouron, der extra für das Konzert nach Paris gefahren ist. Seine Frau ist hochschwanger, im nächsten Monat, noch vor der Geburt des Kindes, wollten sie heiraten. Hier trauert sie mit ihren Eltern. Solche Schlagzeilen, so reißerisch sie auch sein mögen, geben den Opfern ein Gesicht. Das sind nicht 132 Opfer, das sind 132 Menschen, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Ich selbst bin auch mal, während meine Frau schwanger war, zu einem Rockkonzert gefahren. Ich bin plötzlich Pierre J.. Das geht mich was an. Freiheit und den Lebensstil wahren, klingt abstrakt. Aber ich hätte auch Opfer sein können, auch ich war mal Pierre J.. Das ist etwas ganz persönliches.

Ja, auch in anderen Ländern sterben unglaublich viele Menschen auf unglaublichste Art und Weise. Da sind 132 Tote warlich keine Zahl. Aber diese Menschen kenne ich nicht, sie sind und bleiben eine Nachricht in der Tagesschau, eben eine Zahl. Pierre J. aber kenne ich. Ich bin Pierre J.. Zumindest für heute.

(PS.: Pierre J. ist eine Erfindung von mir. Sie dient nur der Veranschaulichung meiner Meinung. Dennoch kann ich sagen: Alle waren Pierre J.)

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